Western States 100 Endurance Run

Thuner See

Nach dem ich nun endlich mal meine Flüge nach San Francisco gebucht habe und auch realisiere, dass ich kommenden Juni 2017 beim wohl ältesten (seit 1974) und
legendärsten 100-Meilen Trailrunning Event in der USA teilnehmen werde, ist es an der Zeit das ich einen kleinen Vorbericht zu meinem bevorstehenden Kalifornien-Abenteuer schreibe. Der Western States 100

Wie es dazu kam

Gut, als ich im Juli 2016 beim Eiger Ultra Trail meine Runde machte und einen der wahrscheinlich schönsten Ultratrails in den Alpen finishte war mir zwar klar das ein Finish unter 22 Stunden die Qualifikation für die Lotterie des Western States bedeutete, aber als ich nach knapp unter 19 Stunden Laufzeit die Ziellinie in Grindelwald passierte, war diese Tatsache weit jenseits meiner Wahrnehmungsradien. Die Bilder vor meinen Augen vom Eiger-Trail waren noch kaum aus dem Kopf zu bekommen und die hart erarbeiteten Glücksboten kreisten wirr um meinen ganzen Körper.

Die Lotterie

Als es dann langsam zum Ende der Sommersaison hinauslief, schaute ich mir mal meine Lotterie-Chancen für eine Teilnahme beim Big Western States 100 an:

  • Als Erstteilnehmer an dieser Lotterie steht mir natürlich nur ein einziges Ticket für die große Trommel zu. Würde ich nicht gelost werden, dann bedeutet dies für mich in 2017 erneut ein Quali-Race mit entsprechender Zeit zu finishen, um dann im Folgejahr mit 2 Tickets in der Trommel zu starten. So geht das dann weiter. Nach 3 Jahren hat man 4, dann 8, dann 16, dann 32 und nach 7 erfolglosen Jahren hat man dann 64 Tickets in der Trommel.
  • So weit so gut! Dieses Jahr waren dann bei der Lotterie insgesamt 11.021 Tickets im Umlauf, von denen nur 250 Läufer das Glück haben, an den Start gehen zu dürfen. Weitere ca. 70 Plätze wurden für Sonderverlosungen, gesponserte Eintritte und Elite-Läufer vorgesehen.
  • Vertiefen wir das ganze nun nicht in verwirrende Wahrscheinlichkeitsrechnungen, sondern kürzen an dieser Stelle ab. Fakt ist – Zu dem Zeitpunkt bestand für mich lediglich eine 2-3%ige Chance in 2017 am Western States teilzunehmen.

Soweit die Erkenntnisse! Die Marschroute war also klar. Erstmal ordentlich Tickets sammeln um dann irgendwann um die 2020 rum, mit ausreichend Losglück den Western States in die Saisonplanung zu integrieren.

Der Draw

Für mich war zu dem Zeitpunkt also eigentlich klar, dass ich im Jahr 2017 noch nicht am Western States teilnehme und war mich gedanklich darauf am einstimmen, dass ich mit Freunden am Lavaredo Ultra Trail in den Dolomiten teilnehme, welcher am gleichen Wochenende wie der Western States stattfindet. Dieses Gedankenspiel nahm dann am 3. Dezember 2016 gegen 20h00 MEZ sein Ende, als Roland, der die Verlosung Live im Netz verfolgte, mir die Botschaft direkt an den Abendtisch via WhatsApp zukommen lies.

Western States 100 Endurance Run

 

Unfassbar! Der Western States 100? 2017 schon?  Ich traute meinen Augen kaum, aber ich war tatsächlich dabei. Vor knapp 4 Jahren hab ich noch von meinem ersten Marathon geträumt. Na gut, Ultraläufe gab es dann die letzten 2 Jahre fast im Monatstakt und Distanzen bis 152 Km im profilierten Gelände sind auch schon auf der Habenseite, aber DER Western States in 2017? Ich hätte mich vor 2 Jahren noch selber ausgelacht. Aber vielleicht liegt Vision und Illusion doch gar nicht so weit auseinander. Jedenfalls gibt es jetzt nur noch eine Devise: Die Chance beim Schopf packen und eine gute verletzungsfreie Vorbereitung zu absolvieren, um zusammen mit Michael, als die einzigen deutschen Teilnehmer 2017, eine gute Figur zwischen den US-Boys und -Girls auf der Trail zu machen.

 

Muss ich mir jetzt einen Bart wachsen lassen?

Na logo! Wie schon die legendären US Trail-Gurus Olson und Krupicka den Western States rockten, so werde auch ich eine eigens großgezogene Schenkelbürste durch die Wildnis Kaliforniens schleppen :-).

Die Awards

Die glücklichen Finisher des WS100 bekommen dann am 24.06.2017 die sagenumwobene Gürtelschnalle. Voraussetzung für das Bronze-Bucket ist die vom Veranstalter festgelegte Cut-Off- Zeit von 30 Stunden nicht zu überschreiten. Finisher die es unter 24 Stunden schaffen, bekommen sogar ein Silver-Bucket mit nach Hause. Auf diese letztere Gürtelschnalle hab ich natürlich schon ein Auge geworfen und mit einer guten Vorbereitung und einem gut aufgebauten Peak zum Juni hin, will ich versuchen als 2. deutscher Teilnehmer den Silver-Bucket an meine Wohnzimmerwand zu nageln. Wer weiß, wann man nochmal die Gelegenheit dazu bekommt.

Der Spielplatz

Der 100-Meiler (161 Km) startet im olympischen Squaw Valley und verfügt über 15540 feet (4737 m) positive Höhenmeter und 22370 feet (6818 m) negative Höhenmeter bis man in dem aus der Goldrauschzeit kleinen Provinzort Auburn ankommt.  Die Strecke beinhaltet somit mehr negative als positive Höhenmeter, gilt aber trotzdem aufgrund der rauen Wildnis, abgelegenen Backwoods, Temperaturen bis zu 40 C° und Flussdurchquerungen als unheimlich anspruchsvoll – aber auch als schnell. Die eigentliche Gefahr des Scheiterns liegt allerdings woanders. Auf der Veranstalterseite liest man, dass es in den vergangenen Jahren immer wieder Begegnungen zwischen Läufern, Bären, Klapperschlangen und Pumas gab. Keine guten Voraussetzungen für jemanden der dazu neigt bei Trailläufen in Wespennester zu treten :-).  Siehe mein K.O. beim Saarschleifetrail.

Die Hall of Fame der deutschen Teilnehmer

Wenn man so auf die Historie vom WS100 schaut, bemerkt man gleich das bislang die deutsche Teilnehmerquote recht üppig ausgefallen ist. Die Aufzeichnungen der teilnehmenden Länder wurde in der WS-Datenbank seit 2003 aufgeführt. Seit dem Datum gelang es lediglich einem Deutschen die SUB24h-Marke zu knacken und mit der silbernen Schnalle nach Hause zu fliegen. Dies möchte ich natürlich 2017 ändern und werde mein bestes versuchen um als zweiter Deutscher beim Western States unter 24 Stunden zu bleiben.

2014

2013

2012

2011

2004

2003

 

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2 Kommentare

  1. Glückwunsch zur Auslosung.
    Ich habe es auch verfolgt und als “another runner from Germany” angekündigt wurde schon einen Schweißausbruch das Todes bekommen…dann eben vielleicht beim nächsten Mal 😉

    Ich wünsche dir alles Gute für die Vorbereitung und natürlich auch fürs Rennen!
    Lass es krachen!

    Viele Grüße aus Bad Reichenhall

    Steve

    • Hallo Steve,
      danke dir! Das ist auch der Plan und dann einfach mal schauen was so bei rumkommt 🙂
      Wünsche dir viel Glück, dass du auch bald zum Zug kommst, kenne auch einige die noch gerne mitgefahren wären, das wär sicherlich ein coole Truppe geworden. Aber so ist das beim WS, man muss es nehmen wie es kommt 😉

      Viele Grüße
      Eric

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