Ultratrail Römische Weinstrasse 85k 3000Hm

Riol - Trail Römische Weinstraße

Mit leichter Verspätung fiel um 6h15 der Startschuss für den Ultratrail Römische Weinstrasse. Gerade noch rechtzeitig zum Sonnenaufgang zwischen den Weinfeldern am Sportplatz des Weindorfs Riol starteten ca. 70 Läufer auf der längsten und härtesten Traildistanz in der Region.

Durch das ca. 1200 Seelendorf Riol und vorbei am Freizeitsee Triolago kamen wir nach 2 Km zum ersten Anstieg an der Rioler Sommerrodelbahn, welcher uns durch Weinbergwege und Waldtrails bis hoch zur Molesbach-Talbrücke führte. Weiter durch die Mehringer Schweiz kam ich in einem lockerem Tempo bei Km 8 und 65 Minuten am ersten Aussichtspunkt an. Von hier hatte man einen einmaligen Blick auf die Mosel und dem Triolago-See.

Blick auf Triolago
Blick auf Triolago

Von hier führte der Trail in einem ständigen auf und ab weiter durch die Mehringer Schweiz bis zur Mehringer Brücke, welche uns durch den Weinort Mehring in die Weinberge der anderen Moselseite leitete.

Mehringer Brücke
Mehringer Brück

Entlang der Weinberge lief ich Richtung Schleich wo der Trail dann Richtung Schweich in Waldwege überging. In mitten der Wälder erreichte ich dann nach 2h45 und bereits 21 absolvierten Km den ersten Verpflegungsposten wo ich meine Wasserflaschen wieder auffüllen konnte sowie Vitamine, Salz- und Magnesiumtabletten zu mir nahm um noch weitere 65 km standhalten zu können. Die Cut-Off Zeit für diesen Checkpoint betrug 3h40 und somit hatte ich mir hier schon ein Polster von 55 Minuten erarbeitet.

Zitronenkrämerkreuz
Zitronenkrämerkreuz

Gestärkt und mit voller Überzeugung ging es nun für mich weiter Richtung Herrenberg und Annaberg bis hinunter ins Tal von Schweich. Auf dem höchsten Punkt des Herrenberg bei Km 25 verbuchte ich eine Zwischenzeit von 3h15. Zu diesem Zeitpunkt stellte ich noch keinerlei Beschwerden fest und freute mich darüber zumal noch 60 Km bevorstanden.

Herrenberg bei Schweich
Herrenberg bei Schweich

Vom Schweicher Tal aus ging es mit einen langen Anstieg weiter zu den nächsten Moselorten Ensch, Thörnich und Klüsserath. Waldwege, Singeltrails, Weinberge sowie Treppen und unebene Bodenbeschaffenheiten zwischen den Weinreben gaben der Strecke einen hohen Schwierigkeitsgrad.

Weinanbaugebiet Römische Weinstraße
Weinanbaugebiet Römische Weinstraße
Weinanbaugebiet Römische Weinstraße
Weinanbaugebiet Römische Weinstraße
Rioler Klettersteig
Rioler Klettersteig
Moselblick vom Weinberg
Moselblick vom Weinberg
Jenseits befestigter Wege
Jenseits befestigter Wege

Nach gelaufenen 40 km in 5h10 verlief die Strecke oberhalb von Ensch durch einen traumhaften Wald mit einer Menge an Holzstegen. Meine Beine wurden zu diesem Zeitpunkt erstmals etwas schwerer und ich versuchte mit zwischenzeitlichen Temporeduzieren dem entgegenzuwirken.

alte Brücken
alte Brücken

Ich lief weiter und genoß die Landschaft durch die uns diese Trail führte. Nach 50 Km und einer Laufzeit von 6h30 führte der Trail über endlose Treppen wieder auf einen Weinberg hinauf. Oben angekommen fühlte ich mich als wäre der Lift vom Empire State Building defekt gewesen. Schweiss tropfte von meiner Nase runter und meine Sonnenbrille musste ich absetzen und von Feuchtigkeit befreien.

Treppen ohne Ende
Treppen ohne Ende

Die nächste Wegstrecke führte durch die pralle Mittagssonne und erschwerte die Strecke ungemein. Bei einem vorgeschriebenen Pflichtequipment von mindestens 1,5 l Wasser entschied ich mich vor dem Lauf für eine 1,8 Liter Variante.

Über weitere Singletrails durch die Weinberge führte uns die Strecke über Leiwen nach Trittenheim wo wir die Moselseite abermals über ein Brücke passierten. Hier war ein Checkpoint mit einer Cut-Off-Zeit von 9h25.

Bei einer Laufzeit von bislang 7h10 bei 54 Km und somit 135 Minuten Polster wusste ich das mich nur noch meine Beine oder mein Kopf von einem Zieleinlauf abhalten konnten.

Klettersteig Thörnischer Ritsch
Klettersteig Thörnischer Ritsch

Ab hier ging für mich persönlich der schwerste Teil der Strecke los. Mit Anstieg in die Weinberge mit Klettersteigen über Felsbrocken verlief der Trail weiter Richtung Neumagen-Dhron auf den höchsten Punkt zwischen den zwei Verflegungsposten.

Dort oben angekommen sah ich über die Mosel hinweg weit und breit kein Riol mehr und vermutete am Horizont hinter den Bergen lediglich das Zielfeld. Schnell löschte ich diesen Gedanken aus meinem Kopf und entschied mich für einen Reifenwechsel. Ich tauschte die langen Kalenji-Kompressionsstrümpfe gegen kurze CEP-Laufsocken aus und bereitete mich für den bevorstehenden Downhill vor.

Dieser war schwer zu laufen, beinhaltete viele Felsklettersteige und endete nach einer 7 Km-Schleife über den Römersteig wieder in Trittenheim beim Verpflegungsposten. Bei 64 Km in 8h15 und einer Cut-Off Zeit von 10h30 gönnte ich mir eine Pause von 12 Minuten, machte meine Beine auf einer Wiese lang und verzehrte vom Büffet der Verpflegungsposten.

Verpflegungsposten Trittenheim
Verpflegungsposten Trittenheim

Mit immer noch schweren Beinen und langsam steigenden Rückenschmerzen ging der nächste Teil der Strecke wieder zu einem langen Anstieg über. Mit lauter Musik und einem aufgesetztem Lächeln versuchte ich mich auf das Laufen zu konzentrieren und die Landschaft zu geniessen.

Die Strecke beeinhaltet fast nur Anstiege bis hoch zum Fünf-Seenblick. Diesen konnte man allerdings nur sehen wenn man dafür über jede Menge Stufen auf einen Holzturm kletterte. Natürlich entschied ich mich dagegen 😀

Die letzten 15 Km waren hart. Die Beine konnten nicht mehr und jeder Laufschritt fühlte sich an als würde man aus 1,50 m höhe am Boden aufkommen. Ich versuchte weiter an was anderes zu denken und abzuschalten. Dabei musste ich aufpassen das ich keine Wegmarkierung verpasse und unnötige Kilometer mache.

Wieder angekommen in der Mehringer Schweiz, ein Gebiet was ich als Training für diesen Lauf mir zu Nutze machte. Allerdings merkte ich das sich die Mehringer Schweiz nach 75 Km völlig anders anfühlte als zu Beginn der Trainingseinheiten. Jeder Anstieg und jede Unebenheit musste den tiefsten Kampfgeist herausholen um nicht auf der Strecke zu bleiben.

Immer wieder musste ich mir im richtigen Moment ein Grund ins Gedächtnis rufen warum ich ankommen will. Bei Km 80 und 11h50 wusste ich aber eins. Ich werde finishen auch wenn ich krieche!

Auf den letzten 4 Kilometer runter ging es Downhill Richtung Sportplatz, eine Wegmarkierung mit einem Pfeil und der Aufschrift “Ziel” gab mir neue Motivation und ich nahm noch mal Tempo auf. Immer sicherer wurde ich das ich es gleich gepackt habe und lief über alle schmerzen hinweg die letzen Kilometer ins Ziel.

Mit undefinierbaren Gefühlen aller Art und einem nicht mehr wegzudenkendem Lachen erreichte ich endlich das Ziel in 12h35. Die Veranstalter gratulierten mir und ich konnte es selber kaum fassen was passiert war.

Ziel
Finish Riol

Von den rund 70 Läufern haben 53 gefinished. Ich belegte mit meinem neuen Distanzrekord den 18. Platz und erhielt die 2 hart umkämpften Qualifikationspunkte für den Ultratrail de Mont-Blanc in 2015.

Oleee :-)
Oleee 🙂

Ein harter aber toller Ultratraillauf ging zu Ende und ich freue mich drauf nächsten Jahr wieder dabei sein zu dürfen 🙂

ERGEBINSSE

2 Kommentare

  1. Hallo Eric,
    toller Bericht. Wahnsinns Leistung. Glückwunsch!
    Bis zum Fünf-Seen-Blick habe ich es auch schon mal geschafft, aber mit dem MTB :-).
    Viele Grüße
    Karina

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