Trail The World – Interview mit Roland Kaiser

In einem Jahr zum Hundertmeilenläufer! Das bekommen nur die wenigsten hin!…

Der Trierer Ultraläufer Roland Kaiser (EisernerHans) lief im Frühjahr 2015 beim Hartfüsslertrail (58 Km und 1600 Hm) seinen allerersten Ultra mit und erzählte mir damals von seinem großen Traum einmal mehr als 100 Km über alpine Trails zu laufen. Nur ein Jahr später finishte er dann schon überglücklich den 160 Km langen Alpen-X Ultratrail.

Ich lernte Roland damals beim Eifelmarathon kennen. Wir bestritten anschließend zusammen mehrere Events, besuchten Revierguides, liefen gemeinsam Trails rund um Trier ab und tauschten uns stetig über Neuigkeiten in der Szene aus. In jüngster Vergangenheit tourten wir durch Italien und erkundeten Trails in den Dolomiten, am Gardasee und am Idrosee in der Lombardei.


Roland erzählt uns hier im Trail The World Interview mehr aus seinem Leben als (Ultra-)trailläufer…

Trail The World: Roland, wie bist du zum Trailrunning gekommen und was ist das besondere für dich daran?

Roland: Tatsächlich hab ich auf Waldwegen meine ersten Schritte gemacht. Ich bin also nicht vom klassischen Asphaltballern zum Traillaufen gewechselt. Den ersten Schuh den ich speziell zum Laufen kaufte war übrigens ein Trailschuh. Ich bin gerne in der Natur. Ich mag anspruchsvolle Wege wo man sich konzentrieren muss. Ich laufe gerne in der Einsamkeit der Wälder und Berge. Dort wo ich mich winzig und verloren fühle. Einsamkeit kann ein tolles Gefühl sein.

Trail The World: Was reizt dich am Ultratrailrunning und wie sieht dein Training dafür aus?

Roland: Ich mag die Szene. Die Verrückten, die Leidenschaftlichen, die Besonderen. Und wenn ich schon mal in die Berge zum Laufen fahre, dann soll es auch kein Spaziergang werden (lacht) … außerdem tendiere ich primär zu der Grenzerfahrung durch Dauer und Anstrengung als durch reines Tempo – wie man auf Sprintdistanzen erfährt.

Trail The World: Was war dein größter Erfolg den du mitnehmen konntest?

Roland: Jeder einzelne Lauf. Jedes einzelne Finish. Jedes „Gesund-ins-Ziel-einlaufen“.

Trail The World: Und was war deine größte Enttäuschung?

Im Gegensatz zu Menschen haben mich Trails noch nie enttäuscht. Ich denke auch nicht dass ein DNF eine Enttäuschung für mich wäre. Passiert eben bei den Mordsstrecken und sollte man als positive Grenzerfahrung einsortieren.

Trail The World: Hattest du schon mal eine Krise bei einem Ultratrail? Wie bewältigst du die?

Roland: Nenn mir mal einen Ultraläufer der nicht durch „Hochs“ und „Tiefs“ geht. Ultralaufen ist Krisenmanagement vom feinsten (grinst)… das ist Kopfsache, da muss man durch. Manchmal hilft ein Urschrei. Falls nicht, dann Schokolade (lacht) …

Trail The World: Beim AlpenX dieses Jahr konntest du trotz einer hohen DNF Quote die 100 Meilen Alpenüberquerung finishen, wie ist es dir unterwegs ergangen?

Roland: Auf ein Tief folgt wieder ein Hoch. Ich wollte überleben (lächelt) … und ich war mit tollen Menschen unterwegs. Durch die Nacht war es keine Ein-Mann-Mission, wir haben das im Team gemeistert! Und mit ein bisschen Spass und Lachen kommt man aus jeder Krise – auch wenn der AlpenX eine harte Sau war.

Trail The World: Wie sieht dein Leben außerhalb vom Trailrunning aus?

Roland: Gibts nicht. Nein Spaß (lacht). Aber Trailrunning ist nicht nur Hobby oder ein Sport. Es ist eine Lebenseinstellung. Vieles richtet sich danach. Wenn man naturverbunden ist legt man auch viel mehr Wert auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Man lebt es einfach. Und man ist auch sonst zum Radfahren und Wandern in der Wildnis unterwegs.

Trail The World: Was sagen deine Freunde und Familie zu deinem Hobby.

Roland: Klar, wenn man von Distanzen jenseits der Marathonmarke spricht, dann schütteln alle mit dem Kopf. Aber erzähl einem Blinden mal vom Sehen (zwinkert)…
Man trifft häufig auf Unverständnis und beantwortet stets die gleichen Fragen. Die, die sich wirklich interessieren, die sind oftmals infiziert. Ich bin davon überzeugt dass ich den ein oder anderen zum Laufen inspirieren konnte.

Trail The World: Was sind deine ZIELE für das kommende Jahr.

Roland: Gesund und fit die nächste Saison zu erleben. Ich freu mich auf den Lavaredo-Trail mit Freunden, auf den Großglockner und hoffentlich auf den UTMB. Sollte ich dort nicht gezogen werden, werde ich bei dem „L’INFERNAL Trail des Vosges“ über 200k und +10.000HM an den Start gehen.

Trail The World: Was ist dein allergrößter Traum im Trailrunning?

Roland: Die Big Five für Trailrunner zu finishen: UTMB, Western States, Hard Rock, Transpyrenea (Wobei das mehr Wandern ist erklärt Roland), Tor des Geants!
Das sind übrigens meine persönlichen Big 5 – Für so heiße Sachen wie Marathon des Sables oder gar Badwater fehlt mir einfach die Begeisterung.

Trail The World: Wow, coole Ziele. Ich würde dich bei jedem einzelnen begleiten….

 

TRAIL THE WORLD wünscht dem sympathischen Trailläufer alles Gute für seine gesteckten Ziele und bedankt sich für das interessante Gespräch.

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