Bericht vom Bärenfels Ultratrail

Bärenfels Ultra

Gegen 8h morgens fiel der Startschuss am Bärenfels, eine Strecke die mit zusätzlichen 14 Km mehr als meine jemals gelaufene Distanz im Mittelgebirge war. Daher wurde ich schon ein wenig Nervös und nahm mir wie immer vor das erste Drittel der Gesamtstrecke von 65 Km langsam anzugehen. Mit knapp 70 gemeldeten Ultraläufern, wo noch viele zusätzliche Teilnehmer mit auf der 42 Km und 21 Km Strecke teilnahmen, ging es gleich zum ersten leichten Anstieg über.

Die Stimmung bis dahin war noch super und ich nutzte die kollektive Anfangsphase dazu mich mit anderen Läufern über die Erfahrungen der bislang gelaufenen Ultratrails auszutauschen. Einige Läufer haben schon Ultras im alpinen Geländen absolviert die Strecken bis zu 100 Km beinhalteten.

 

Bei den ersten 21 Km konnte ich eine Zeit von 2h05min verbuchen und fragte mich ob ich wirklich das erste Drittel langsam angegangen bin und sah noch eine Marathondistanz von 42 Km mit 2 Zusatzkilometer vor mir. Ich strotzte noch vor Energie und versuchte erstmal nur an die nächsten 21 Km zu denken.

Bärenfels Ultra Trail
Bärenfels Ultra Trail
Bärenfels Ultra Trail
Bärenfels Ultra Trail
Bärenfels Ultra Trail
Bärenfels Ultra Trail

Es folgten viele Trails mit wurzeligem und steinigem Boden was stetige Aufmerksamkeit erforderte um einen Sturz und damit das frühe “Aus” zu verhindern. Beim 2. Anstieg zum Bärenfels hoch teilte mir ein Mitarbeiter vom Verpflegungsposten mit das ich aktuell den 4. Platz belegte, was mir dann endgültig die Antwort darauf gab, ob ich nicht vielleicht doch zu schnell unterwegs war.

Bärenfels Ultra Trail
Bärenfels Ultra Trail
Bärenfels Ultra Trail
Bärenfels Ultra Trail

Dennoch hatte ich bei Km 42 und bereits 1600 absolvierten Höhenmetern eine Zwischenzeit von 4h15 zu buche stehen und bekam auf Grund der in meinen naiven Augen “nur” noch bevorstehenden 23 Km einen Schub und konnte weitere Energie freisetzen. Nun ging es zum 3. mal den steilen Anstieg zum Bärenfels hoch was mich letztendlich eines besseren belehrte.

Bärenfels Ultra Trail
Bärenfels Ultra Trail

Nach 4 Km Anstiegs-Torture merkte ich in Waden, Oberschenkel und vorallem in meinem Allerwertesten auf jeden Schritt ein unangenehmes Zwacken. Vorallem mein Gesäß fühlte sich an als hätte man mir in jede Seite 4 Spritzen verpasst.

Ab hier ging es die nächsten 10 Km nur noch schleppend voran und ich musste mich dementsprechend auch von 4 Plätzen in der Gesamtwertung verabschieden, wobei jeder von den 4 Überholern mir Motivation für den Endspurt mit auf dem Weg gegeben hat.

Der letzte von den vieren ist sogar für 4-5 Km mit mir gelaufen und gab mir durch rege Kommunikation einen weiteren Schub, so daß ich für diese Strecke sogar seine Geschwindigkeit mitlaufen konnte. Auf den letzten 4 Km musste ich ihn aber dann dankbar ziehen lassen, so daß ich wieder alleine im Wald umherirrte und mich fragte wie ich auf den letzten paar Kilometer nochmal Energie freisetzen kann um mir diesen 8. Platz zu wahren.

Bärenfels Ultra Trail
Bärenfels Ultra Trail

Das Tempo kam mir langsam vor, mein Gemützustand gleichte einer Trance und die Waldumrisse bekamen ein Hauch einer ATARI-Grafik. Dann kam mir die strategische Idee meine mobile Jukebox als emotionale Energiequelle für das Finale zu nutze zu machen.

Ich lies auf meinen Kopfhörern ein musikalisches Mischmasch von Beatles, Everlast und Metallica abspielen und nahm letztendlich bei den elektronischen Klängen von Dj Fritz Fridulin nochmal richtig Tempo auf. Ein Gefühl von Freude, Schmerz, Glück, Stolz und Erschöpfung zugleich überkam mich als ich das Ziel auf ca. 800m sehen konnte. Zum Finale legte ich mir “The Funk  Soul Brother” von Fatboy Slim auf und genoß den Zieleinlauf wo jeder Ultra-Finisher wie ein Sieger mit Applaus ins Ziel getragen wurde.

Altersklassensieg
Altersklassensieg
Altersklassensieg
Altersklassensieg

Platz 8. in 6h43min war hart umkämpft aber gesichert, zudem vermeldete man mir noch die erfreuliche Nachricht das ich Sieger in meiner Altersklasse M35 wurde und übergab mir bei meinem 3. Ultra erstmals Gold für Deutschland. Die Startnummer 7 hat ihren Soll erfüllt und ich freu mich drauf wenn morgen jeder Nationalspieler von uns ebenfalls eine Goldmedaille an der Brust tragen kann.

 

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Hallo Eric,

    starke Leistung. Danke fürs mitnehmen. Vielleicht steht der Lauf auch mal auf meiner Liste. Aber keine Sorge, ich mache Dir in Deiner Altersklasse keine Konkurrenz 😉

    Liebe Grüße, spätestens bis zum nächsten Freundschaftslauf in Olewig

    Rainer 😎

    • Hallo Rainer,

      vielen Dank. Dazu kann ich nur sagen “sollte er” :-D. Aber ich denke der Hospizlauf war ja auch eine sehr schöne Sache, den ich dann mal mit auf meine Liste setzen werde 😉

      Ich denke das für den nächsten Olewiger Freundschaftslauf ausreichend Werbung gemacht wird, so daß ich ihn nicht verpassen werde und die tolle Gastfreundschaft beim SV Olewig in Anspruch nehmen darf 🙂

      VG
      Eric

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