Madeira Extrem – Ein Quantensprung aus der Komfortzone

Erfahrungsgemäß muss sich eine echte Challenge schier unmöglich anfühlen damit exorbitante Kräfte freigesetzt werden können. Eine solche “Challenge” gab ich mir kurz vor Weihnachten 2014 als Aufgabe für das kommende Jahr und registrierte mich für den Madeira Island Ultra Trail auf der 115er Distanz mit 6800 Hm, um erstmal die 100KM-Marke zu knacken. Sicherlich hätte ich für die erstmalige Bewältigung einer 100 KM-Strecke mir eine wesentlich einfachere Strecke aussuchen können. Dies kollidierte allerdings mit meiner Besessenheit das fiktiv unerreichbare erreichbar zu machen und sich dadurch mit dem unbezahlbaren “Wissen” zu beschenken, das man alles erreichen kann worauf man sich im Vorfeld physisch und mental fokussiert. Um sich dieser Herausforderung anzunehmen sollten ebenfalls die Faktoren Abenteuer und Wunder der Natur nicht zu kurz kommen. Der Madeira Ultra Trail sollte mit seiner Unerreichbarkeit, Extremität und einzigartigen Natur der perfekte Abenteuer-Cocktail für mich werden

Vorbereitungsphase
Vorbereitungsphase

Dabei stellte sich die Vorbereitung und Anreise nach Madeira schon zu einer ultimativen Challenge heraus. Trainingseinheiten vor der Arbeit, nach der Arbeit, in den Mittagspausen und auch Nachts standen auf der täglichen Agenda. Bei allen Witterungen wurden neue Wege, Hügel, Berge und Landschaften querfeldein erkundet. Die Beine sollten an die bevorstehende Belastung herangeführt werden ohne dabei auch die nötige Regeneration zu vernachlässigen. Ständig auf der Suche nach dem richtigen Mittelmaß und stets mit Obacht auf die Sehnenüberlastung vom letzten Jahr, deren Rückfall das “Aus” dieser Reise bedeuten würde. Auch auf mentaler Trainingsebene hab ich mich durch kontinuierliche Autosuggestion auf mögliche Krisen und Extremfälle vorbereitet um damit die Chancen auf das Finish zu erhöhen. Diese neu erworbenen Fähigkeiten wurden dann schon beim Abflug vom Flughafen Luxemburg erheblich auf die Probe gestellt als mein Flug Richtung Porto mit Anschluss nach Madeira auf Grund von einem französischen Fluglotsenstreik annulliert wurde. Erst 18 Stunden später konnte ich durchatmen als eine Ersatzmaschine so langsam ins Rollen kam.

Abflug Luxemburg - Findel
Abflug Luxemburg – Findel

Auch mit dem Anschlußflieger von Porto nach Madeira hatte ich kein Glück und musste nochmals 3 Stunden länger warten als geplant. Donnerstag Abend um 21h55 Ortszeit erreichte ich dann doch noch das Forum in Machico um mir endlich meine Startnummer für das Event abholen zu können.

Den Tag nach der Ankunft lies ich locker angehen und merkte zunehmend meine Anspannung. Ich besorgte mir noch Versorgung für den Drop-Bag und erkundete den Ort Machico in dem ich residierte. Die imposanten Berge entgingen mir nicht, von denen ich wusste das es sich lediglich um Ausläufer einer Bergkette handelte.

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Dann war es endlich so weit. Am Freitag den 10.April 2015 um 21h30 fuhr uns der Bus zum Startgebiet nach Porto Moniz. Ab da sollte ich die Insel dann von Nord-West nach Süd-Ost binnen 32h überqueren. Knapp über 400 Starter stellten sich gegen kurz vor Mitternacht auf und die Musik, Stimmung  und Atmosphäre lies Unmengen an Adrenalin durch meinen Körper strömen. Der Wahnsinn konnte beginnen! Endlich normale Leute 🙂

Startaufstellung Porto Moniz
Startaufstellung Porto Moniz

Beim Start erfuhr ich dann das Tom es langsam angehen wollte und vor hatte sich in der ersten Phase im hinteren Läuferblock zu bewegen. Da ich ja immer gerne dazu neige Läufe zu schnell anzugehen und ich nicht nach hinten raus eine böse Überraschung erleben wollte, war mein Plan natürlich der gleiche und so starte ich pünktlich um 0h00 zusammen mit Tom auf diese Reise.

Tom madeira

Ganz, ja wirklich ganz Porto Moniz schien auf den Straßen zu stehen als der ganze Läuferrudel das Startfeld verlassen hatte und es gab viele motivierende Zurufe sofern Ich das mit meinen kargen Portugiesisch-Kenntnissen urteilen konnte.

Es dauerte nur wenige Minuten da ging es auch schon wie erwartet Bergauf. Man konnte von den schnellen Läufern schon eine Lichterkette der Stirnlampen und Rotlichtreflektoren sehen und wusste gleich wie die Strecke bergauf verlaufen würde.

Auf den ersten 16 Km mussten schon gleich 1100 Höhenmeter gemacht werden. Dabei sind wir noch Ribeira da Janela durchlaufen, ein Ort deren Stimmung bei allen Läufern Gänsehaut hervorrief. Außer ein paar Kilometer an den Levadas vorbei ging es für uns die ersten Stunden nur Bergauf durch die Dunkelheit.

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Weiter im Verlauf in den Wäldern bot sich im Augenschein der Stirnlampen eine einzigartige Kulisse und man konnte es kaum erwarten das die Sonne aufging um sehen zu können welches Terrain man hier durchlief.

Der Gedanke beim ersten längeren Abstieg dann etwas Zeit zu gewinnen und Strecke zu machen zerplatzte schnell wie eine Seifenblase. Es ging steil bergab, lange steinige rutschige Stufen, Wurzeln und sehr grobes Gelände haben kein hohes Tempo zugelassen. Ständig drohte die Gefahr sich zu verletzen.

Bis KM 30 ging es dann nochmal weiter mit zusätzlichen 1400 HM bergauf. Ein Anstieg der keine Ende fand und deren Steigung für mich kaum einen Schnitt von 3 KM pro Stunde zugelassen hatte. Mit jedem Höhenmeter wurde es kühler  und wir erreichten den ersten Cut-Off Check-Point Estanquinhos knapp 30 Minuten vor Cut-Off. Hier wurde es dann Zeit für eine heiße Suppe und die Wassertanks wurden nochmal aufgefüllt.

Schnell machten Tom und Ich uns weiter Downhill auf eine Geröllpiste wo wir dann endlich das Sonnenaufgangs-Szenario bestaunen konnten und meine Hände so langsam wieder von der Kälte sich erholten. Von Kilometer zu Kilometer wurde es heller und auch wärmer.

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Durch einen traumhaften Zauberwald verlief für uns nun der Trail und wir konnten hier nun auch einige Kilometer gut machen. Das was uns hier die Natur bot trug auch gleich dazu bei das die Beine sich wieder locker und leicht anfühlten.

Als nächstes erreichten wir einen Streckenabschnitt der Entlang von einem Wasserkanal verlief, welcher von vielen kleinen Wasserfällen entlang der Strecke zusätzlich befüllt wurde. Von dort aus hatte man nach links eine gigantische Aussicht auf das Tal. Viele Glücksmomente begleiteten mich dann am Wegrand der Levadas vorbei und ich hoffte das diese Welle mich noch ein Stück weiter tragen kann. Ich fühlte einen Überschuß an Energie und genoß diesen Power.

Wir liefen nun weiter bergab auf 540m ü.dem Meeresspiegel zum Checkpoint Rosario. Hier waren auf 40 KM mit bereits 2800 hm ganze 9 Stunden verstrichen. Ich gönnte mir am Checkpoint eine kleine Pause von knapp 15 Minuten und freute mich auf eine heiße Tasse Kaffee. Tom zog es weiter in Berge und lief dann schon nach wenigen Minuten wieder los, so das ich von hier an alleine weiter lief.

Die nächsten 20 KM beinhalteten sowohl einen gesamt Anstieg als auch Abstieg von rund 1500 HM. Überwältigt von den Aussichtspunkten und der Gebirgslandschaft überkamen mich weitere Energieschübe und zügig mit Blick auf den nächsten Zwischen-Cut-Off überquerte ich die nächste Berglandschaft.

Auf diesen Teil der Strecke konnte ich viele Läufer überholen und meine Motivation war auf einem Höhepunkt.

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Es ging so langsam auf die KM 60 zu. Noch 4 Km Downhill bis zum Curral das Freiras. Musste ich etwa jetzt schon meine zügige und euphorische Phase einbüßen? Der Downhilltrail zum Checkpoint verlief abwärts in stetigen S-Kurven auf steinigen und groben Untergrund und meine Fußsohle brannten unangenehm und verdarben mir den Spass am Downhill.

So erreichte ich den Cut-Off-Checkpunkt um 14h, eine Stunde vor Cut-Off. Ich lies mich auf einen Holzstuhl zusammen mit meinem dort gelagerten Drop-Bag nieder und setzte alles in Gang um neue Kräfte zu tanken. Ich hatte ja gerade erst mal knapp über die Hälfte der Strecke hinter mich gebracht.

Meine Beine cremte ich mit Salbe gegen Muskelschmerzen ein, dann mixte Ich mir einen Regenerationsdrink, nahm Vitamine und Salze zu mir und auf Ex gab es zum Abschluss noch einen halben Liter Chia-Rice-Milch. Ich zog ohne Rücksicht auf Verluste meine Schuhe aus, machte die Beine lang, ruhte mich in der warmen Sonne etwas aus und hoffte das es bald schnell für mich weiter gehen kann zumal nun auch die Anstiege zum Pico Ruivo und Pico de Areeiro anstanden, die zwei höchsten Gipfel Madeiras.

Ein Wunder oder einfach beim Boxenstopp alles richtig gemacht?

Gegen 14h30 und mit immer noch 30 Minuten Cut-Off-Polster entschied ich mich weiter zu machen. Ich nahm meinem Equipment und machte mich auf dem Weg zu dem wohl längsten und höchsten Anstieg. Nach wenigen Metern verzeichnete ich dann schon wieder einen ganz anderen Zustand. Die Beine wurden locker, die Fußsohle hatte sich erholt, ich kam zu Kräften und das gewaltige Bergmassiv um mich rum zauberte mir ein Lächeln zurück ins Gesicht. Und mit neuer Motivation und Energie führte Ich meine Reise fort.

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Es war mittlerweile richtig heiß und Hitze war schon immer für mich problemlos. Das sah bei vielen anderen Teilnehmer schon ganz anders aus. Stufe für Stufe wurden Höhenmeter gemacht und viele Läufer bei denen ich aufgeschlossen hatte machten mir den Weg frei zum Überholen. Auf halber Strecke bemerkte ich viele Teilnehmer.die einfach am Wegrand auf Felsen ruhten und sich den Schweiß aus dem Gesicht rieben. Immer wieder versuchte Ich Sie zu ermutigen als ich passierte und führte meinen Anstieg unbeirrt fort

Nach einiger Zeit merkte ich dann das die Temperatur nachließ und tauchte langsam auf Wolkenhöhe in eine Nebelwelt ein. Der Anstieg verlief für mich einfach sehr Gut.

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Doch der Weg war noch lang und viele Stufen und Trails musste ich abwechselnd bewältigen bis ich wieder aus der Wolkendecke empor kam und am Pico Ruivo ein einzigartiges Naturschauspiel bewundert durfte.

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Auf 450 m ü. dem Meerespiegel noch den Checkpoint verlassen, erreichte ich nun bei KM 70 auf einer Höhe von 1750 m den Checkpoint Pico Ruivo. Bislang wurden in 17 1/2 Stunden insgesamt schon 5700 Hm bewältigt. 15 Minuten verbrachte ich an der Verpflegungstation, aß Suppe, Obst und Riegel und starrte auf die Wolkenpracht.

Wer jetzt denkt das es ab hier nur noch bergab ging der irrte. Der bervorstehende Cut-Off-Checkpoint am Pico de Areeiro lag 5 Km weiter auf über 1800 m ü.d. Meerespiegel und die Cut-Off-Zeit war knapp. Ich musste mich sputen, aber richtig!

Es ging wieder über endlose Stufen, dunkle Tunnel und steile Passagen. 1000 meter wurden wieder eine Ewigkeit und der Cut-Off peitschte die müden Beine den Gipfel hoch. Immer wieder als ich dachte oben angekommen zu sein gab es neue Stufen und ich erreichte eine Mondlandschaft.

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Also noch ein Stück höher. Den Cut-Off werde ich wahrscheinlich rechtzeitig schaffen, aber kann ich danach noch weiter? Ich musste ein Höllentempo gehen und hatte einige erschöpfte Teilnehmer überholt. Ich wusste schon das für viele Teilnehmer hier Ende sein wird. Genau 7 Minuten vor Cut erreichte ich KM 75, atmete durch suchte mir gleich eine Ecke wo ich meine Beine lang machen konnte. Es zog in jeder einzelnen Muskelpartie.

Was Nun? Völlige Leere!!

Gedankenspiele….Es wird gleich wieder dunkel, die Beine sind schwer, die Fußsohle brennt wieder, rechne…..rechne  115-75 ähhhhmmm ….40!!! 40 verdammte Kilometer in der Dunkelheit in meinem jetzigen Zustand….Unmöglich. Was tun, wie werde ich wieder Fit, wie kann ich das überstehen….ein Blick in den Plan – wenigstens geht es die nächsten 10 Km bergab ….Nein nein nein, da ist sie… die wirklich erste ernsthafte Krise……….

Aber ich wusste es doch. Ich wusste das eine Krise kommen wird. Was ist zu tun…Erst mal Ruhe bewahren… ja Ruhe….Ich lass mich doch jetzt hier nicht abtransportieren. Was ist denn jetzt wirklich mein Problem. Bin ich müde??? Ja, aber ja und!?….Bin ich doch oft. Hab ich schwere Beine???…Ja!, ja und!? Gibt schlimmeres. Hab ich brennende Fußsohlen??? Mein Gott ich stell mich aber auch an. Dann lass sie brennen. Bin ich erschöpft und fehlen die Kräfte?? Ja, und Nein….. Ich könnte los! Zwar nicht weit aber dann hab ich auch noch Kraft….Also klar kann ich, wer will mich aufhalten. Ich bin hierher gekommen um den MIUT 115 zu finishen und das hier soll mich davon abhalten???

Ich versuche es und ich lief….und es lief….zwar nicht gut….aber es lief!! Einfach erstmal die nächste Verpflegungstation erreichen und mal schauen was passieren wird.  Da muss schon mehr kommen. Gedanken ausschalten und zurück zur Trail.

Verdammt, war das ein Downhilltrail! Überall waren wieder grobe Unebenheiten und jeder Stein drückte sich leicht schmerzhaft an den Fuß. Was beim ersten Kilometer dann noch Fluchen war ging im weiteren Verlauf als Normalzustand durch und so langsam fand ich mich damit ab das knapp 80 Km durch dieses Gelände halt Spuren hinterlässt. Diese Spuren lies ich dann als Begleiter zu und konnte mich von Kilometer zu Kilometer wieder auf meine Strecke konzentrieren. Ich schloss mich einer Gruppe ebenfalls erschöpften Portugiesen an mit denen ich einen steileren Abstieg durch den Wald zwischen Km 80-85 anging. Abwechselnd legten wir uns in der Dunkelheit auf dem rutschigen steilen Boden ab so dass mit etwas dunklen Humor bei allen wieder etwas Stimmung aufkam 🙂

Jedem Stand es auf der Stirn geschrieben doch keiner sagte es laut. “Man sind wir bescheuert”

Unten angekommen beauftragte ich mein Gehirn nochmals mit einer Rechenaufgabe. Für 13 Km bis zum nächsten Cut-Off Checkpoint blieben mir 180 Minuten. Macht also ca 4 Km pro Stunde bei einem bevorstehenden Anstieg von 600 m und einem Abstieg von 1000 m. Das sollte doch wohl zu schaffen sein. Ich schöpfte also neuen Mut und übergab mich dem Nächsten Anstieg. Ständig ging mir der Gedanke durch den Kopf ob ich Zeit dazu hätte mich einfach mal 20 Minuten in den dunklen Hang zu legen und die Augen zu zumachen, doch es riss mich weiter. In der Monotonie der Dunkelheit bemerkte ich schon das ich bergauf in einem Halbschlaf herumirrte. Auf dem Endstück Richtung KM 97 wo auch der letzte Zwischen-Cut-Off für 2h00 Nachts vorgeschrieben war durchlief ich einer Stolperpartie. Kraftlos stolperte Ich über jedes Hinderniss was ich in einem stabilen Zustand wahrscheinlich nicht mal bemerkt hätte. Einmal flog mir beim Laufen sogar eins meiner Poles in den Wasserkanal der dann von der Strömung so schnell wurde das ich für ein paar Meter nochmal ein gefühltes 4er Pace laufen musste.

Dennoch konnte ich Zeit gut machen und kam völlig fertig 45 Minuten vor Cut-Off bei KM 97 an. Hier gab es jetzt auch noch medizinische Versorgung, die ich nicht in Anspruch nahm, da ich wusste das spätestens ab hier mir eh nicht mehr zu helfen ist.

Ab nun hatte ich 6h45 Minuten zeit für die letzen 18 Km……Rechne… rechne… Ich muss nur irgendwie 2.6 KM pro Stunde vorankommen. Theoretisch kann ich mir auf dem letzen Abschnitt in jeder Ecke eine Auszeit gönnen und die Füße hochlegen wenn es sein muss.

Die Praxis sah da anders aus! Jeder Schritt war hart am Verpflegungsstand. Die 2.50 meter vom Stuhl bis zum Obsttisch stellten sich schon als Tortur raus. An KM 97 fühlte ich mich definitiv auch wie 97! Ich legte die Beine in Zeitlupe auf eine Holzbank senkte langsam meinen Oberkörper nach hinten und hielt 15 Minuten einen Power-Nap.

Ein Asiatischer Teilnehmer dem ich auf dem Weg schon mal bei einem Sturz aufgeholfen hatte weckte mich, bedankte sich nochmals bei mir und gab mir noch ein paar motivierende Worte mit auf die Schlußtrecke.

Der EndSPURT

Ab jetzt verließ mich auch mein Verstand als ich um 2h00 in Portela startete! Ich wollte nur noch in mein Bett und mein Kopf wollte nochmal richtig Gas geben. Hinzu kam das der erste Teil der Strecke das auch zugelassen hat. Gut laufbare Wege ermutigten mich dazu nochmal richtig in Fahrt zu kommen und ich nahm richtig Trainingstempo auf. Ich konnte gar nicht fassen was ich da machte. Von Kilometer zu Kilometer konnte ich Energie freisetzen. und überholte noch einige vor sich hin vegetierende Läufer. Es ging in eine Waldtrail mit leicht hügeligem Auf und Ab, so dass man aber ein gleichmäßiges Tempo halten konnte. Ich entwickelte wieder Spass und war Fassungslos was noch aus meinem Körper rauskam. Ich bemerkte wie frech ich grinste und erlaubte mir im Wald einen lautstarken Schrei. Das laufen war locker und ich war tatsächlich zwischen KM 97 und 105 nochmal auf einem Hoch.

Achja, da war noch was….Die Sache mit dem Verstand. Natürlich bekam ich dann auch wieder die Quittung. Wie bei einem Loch im Benzinschlauch sah ich vor meinen Augen die Tanknadel von meinen frisch erworbenen Reserve-Energietank abfallen, so dass ich schon bald meinen “RUN” mit einem lauten “Puuuuhh, pffffffff” beenden musste.

Blöd jetzt, gell??…

Beine und Arme waren zittrig, der Magen drehte sich. leichte Kopfschmerzen kamen hinzu… et voila… Ein zwar wahrscheinlich letzer aber steiler Abstieg Richtung Machico.

Super Eric….Mir fiel nix besseres ein als mich zu beglückwünschen und tat was ich tun musste. Verkrampft nutzte ich meine Poles um möglichst unbeschadet an Höhenmetern zu verlieren. Die Poles fungierten mittlerweile mehr als Krücken und nicht selten stürzte ich erschöpft auf rutschigen Passagen auf den Boden bis ich endlich das steilste Stück geschafft hatte.

Ich klopfte meine Klamotten aus weil ich natürlich nicht so dreckig ins Ziel einlaufen wollte. Naja, wenn das jetzt meine größte Sorge, dann kann es ja erstmal weiter gehen, dachte ich mir. Ich versuchte mit meinem Körper nochmal eine stolze Haltung hinzubiegen, streckte den Kopf aufrecht und begann auf einer etwas flacheren Strecke mit leichtem Tempo noch ein paar Meter Strecke zu machen.

Dann Endlich konnte ich vom Berg aus die Lichter von Machico sehen und die Stimmung stieg wieder rapide an. Dennoch zeigte mein GPS-Tracker noch 5 fehlende KM an und ich befand mich immer noch auf einer Höhe von 200 m über dem Meeresspiegel.

Wieder Levadas!!  Entlang der Bergkette und der Levada lief Ich flach in kleinen Schüben die Kilometer runter Richtung Meer und damit auch Richtung Bucht mit dem Ziel.

Die letzten 200 Höhenmeter abwärts gingen über eine rutschige und teils steinige Trail und damit es noch einmal richtig spannend wird fing es erstmals an zu regnen. So wurde der letzte Kilometer nochmal ein Strongman-Run und nach 29h52 Minuten konnte ich dann endlich die Ziellinie überqueren.

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Aus jubelnden Zuschauern die mir Rosen zu warfen wurde leider nix, weil gegen 5h30 Ortszeit wohl jeder schlief außer Ich und die Teilnehmer die noch hinter mir waren.

Von etwas mehr als 400 Startern konnten nur 284 Finishen. Davon belegte ich Platz 258. Die Aussteiger mit einbezogen ist dies das hintere Mittelfeld und auf Grund der Tatsache das mein Ziel lediglich der Finish vor Cut-Off war, ist dies ein außerordentlich erfolgreicher Lauf für mich gewesen.

 Support

Ein besonderes Dankeschön geht an den Ausrüstungssponsor SalmingRunning  dessen Stuff mir auf der Trail hervorragende Dienste geleistet hat und allen die mich bei und während dem Projekt in jeglicher Art unterstützt haben.

Salming

Und Nu??

Zuerst plane ich nochmal 2 kürzere Läufe. Nach genauer Recherche habe ich mich entschieden im Juli den Trail Traversée (Schweiz) mit 61 KM und 4100 Hm zu laufen bevor ich dann im August im Rahmen unser Bali- / Lombok Trekking-Tour den Ultra Mt Rinjani eingeplant habe. Ein 52 Km Lauf mit 5200 Hm auf und um den Vulkan Mt. Rinjani auf Lombok (Indonesien)  ►TERMINE

Danach möchte ich sicherlich noch mal ein ähnlich extremes Projekt angehen, welches das aber sein wird bleibt noch offen und in Bearbeitung. Über Vorschläge und Anregungen in meinem Blog würde ich mich sehr freuen.

Auf Bald

ERIC

5 Kommentare

  1. Hallo Eric!

    Ich bin´s, Simone – wir haben zusammen Sonntags in Machico Pizza gegessen mit Katja, Holger und Robert 🙂

    Toller Bericht, ich hab jetzt gerade mächtig Gänsehaut… wirklich krass, zu was man eigentlich imstande ist zu leisten, physisch wie psychisch. Katja und ich sind heiß auf den Ultra85, den wir jedoch wegen privater Umstände erst 2017 angehen können. Freuen tun wir uns jetzt schon wie Bolle darauf!
    Ich wünsche Dir für Deine nächsten Unternehmungen und Projekte viel Spaß und natürlich auch Erfolg und freue mich jetzt schon darauf, Deine Berichte darüber zu lesen 😉

    Vielleicht treffen wir uns ja mal wieder bei einem Event – würde mich freuen!

    Ich wünsche Dir eine gute Zeit
    liebe Grüße
    Simone 🙂

    • Hallo Simone,
      ich erinnere mich, hab lange durchgehalten mich bis Madeira bewusst zu ernähren und die Pizza war wie Ostern und Weihnachten zusammen 🙂
      Vielen Dank für die Komplimente, es freut mich das dir der Bericht gut gefallen hat. Ich war selber größtenteils Sprachlos zu was man alles fähig ist. Aber es sind auch unendlich wertvolle Erfahrungen. Meine Gedanken sind immer noch fast täglich fassungslos bei dem Lauf.
      Ich hoffe dann 2017 klappt es bei euch mit dem Ultra85 auf Madeira 🙂
      Ich bin sicher Trail-Liebhabern wird man immer wieder irgendwo auf irgendwelchen Abwegen begegnen. Daher wünsch ich Dir und Katja bis dahin viel Spaß und Erfolg beim Hartfüßler Trail im schönen Saarland. Sicherlich ein sehr schöner und auch anspruchsvoller Trail in unserer Saar-Mosel-Region. Ich werde derweil euren Süden mit dem Trail-Magazin beim Revierguide in der schwäbischen Alb erkunden 🙂
      Alles Gute und liebe Grüße
      Eric

  2. Hihihi, Revierwechsel 😉
    Ich wünsche Dir ganz viel Spaß auf den Trails der Schwäbischen Alb! Ich wäre auch sehr gerne dabei… aber wie Du selbst weißt, ist eine ausreichende Regeneration genau so wichtig – wenn nicht noch wichtiger als das Training. Eine Woche nach dem Hartfüssler kommt das Trail Camp definitiv zu früh für mich. Die Strecke des Skyrace werden Katja und ich dann irgendwann mal für uns laufen.
    Auf das schöne Saarland freue ich mich schon riesig – in elf Tagen dürfen wir ja bereits an der Startlinie stehen!

    LG Simone

  3. Echt ein tollerr Bericht Eric, man kann sich gut in deine Hochs und Tiefs hinein versetzen und den Lauf in wenigen Minuten miterleben. Und nochmal Glückwunsch zur tollen Leistung und deinem Durchhaltevermögen.
    Viele Grüße Patrick

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