Geil, Geiler, Eiger

Man hat schon so einiges gutes über diesen Lauf gehört, doch was der Eiger Ultra Trail an Schönheit zu bieten hatte war beinahe unfassbar. Schon bei der Registrierung Ende letzten Jahres konnte man auf der Homepage des Veranstalters Live auf einer Weltkarte sehen,  von wo sich minütlich neue Starter aus der ganzen Welt für dieses Ereignis anmeldeten. Binnen kürzester Zeit war dieser dann auch schon ausgebucht. Den Grund dafür erfuhren wir dann an dem Wochenende zwischen dem 15.-17. Juli 2016 in Grindelwald, einem bezaubernden Bergort in der Schweiz der völlig im Zeichen des Trailrunnings stand.

Das im Berner Oberland bekannte 3-Gestirn Eiger, Mönch und Jungfrau mit der imposanten Eiger-Nordwand bildeten eine fast märchenhafte Fototapete rund um Grindwald. Daher war es auch kaum verwunderlich das man in der Nacht vor dem Start einen gigantischen Ausblick vom Bett aus hatte.

Mountain Hostel Grindelwald
Mountain Hostel Grindelwald

Schon beim obligatorischen Briefing am Vorabend bekam man einen ersten Vorgeschmack über die Masse an motivierten Sportlern die sich gemeinsam auf die verschieden Strecken 15, 35, 51 oder 101 Kilometer freuten.

Dann nach einer kurzen Pasta-Party und einem großen alkoholfreien Bier ging es wieder zurück ins Hostel, denn schließlich ging der Wecker schon um 3h00 Nachts. Das sich in Grindelwald an diesem Wochenende alles nur um den Eiger Ultra Trail drehte, merkten wir schon an dem Service das unser Hostel zwischen 3h00 und 4h00 morgens ein Läuferfrühstück im Angebot hatte. Dieses nutzte ich auch noch um letzte Speicher aufzufüllen und ging mit Dropbag und Laufgeschirr Richtung Start. Die Spannung war riesig, die Nacht war klar, die Stimmung stieg trotz der frühen Stunde enorm an und los ging es auf die 101 Km mit 6700 Hm…

Gleich 1000 Hm aufwärts hatten die ersten 8 Km zu bieten und ich wurde auf dem Weg zum großen Scheidegg von einem fürstlichen Sonnenaufgang belohnt.

Auf einer Höhe zwischen 2000 m und 2300 m ging es fortan weiter Richtung Kilometer 30 und die Landschaft in der man lief war in alle Richtungen beeindruckend.

Vor allem aber auch führte uns die Strecke über den First Sky Walk. Eine wackelige Hängeplattform mit einer gigantischen Aussicht. Balance und Schwindelfreiheit war hier gefragt.

 

Von hier aus stand ein harter Weg zum Faulhorn an. Weitere 700 steile Höhenmeter waren zu absolvieren und so langsam entpuppte sich der Eiger zum Schneeparadies.

Endlich oben angekommen auf knapp 2700 m über dem Meeresspiegel! Der somit höchste Punkt des Rennens war auf KM 35 erreicht und abermals wurde ich mit einer unglaublichen Aussicht belohnt. Ein unbeschreiblich emotionaler Moment und einfach unvergessliche Momentaufnahmen prägten diesen Abschnitt.

Über einen verschneiten Höhenweg lief ich weiter Richtung Schyniggeplatte auf KM 43. Die Aussicht präsentierte sich weiterhin von der schönsten Seite. Auch rutschige Passagen, anstrengendes Schneewaten und dünne Luft konnten einen die Freude an diesem Lauf nicht nehmen.

Nach diesem Abschnitt kam dann ein sehr langer Downhill bis runter nach Burglauenen, der tiefste Punkt des Rennens und nach 54 KM etwas mehr als die Hälfte vom Rennen. Energygetränke, Thermosalben, Sonnencreme, Wechselklamotten und neue Schuhe zauberte ich aus meinem Dropbag. Ich aß die Pasta vom Veranstalter und machte mich dann ca. 20 Minuten später auf die 2. Hälfte vom Rennen. Für die Statistiker unter euch konnte ich an dem Checkpoint folgende Daten festhalten:

Absolvierte Kilometer: 54
Absolvierte Höhenmeter: 3200 Hm
Tempo in Km/h: 6.07
Pace: 9.53
benötigte Zeit: 8h54min

Mal abgesehen von einem kleinen Downhill von 300 m abwärts ging es bis KM 66 nur noch Bergauf. Der Weg führte mich über 1400 Höhenmeter bis auf den 2.342 m ü. M. hohen Gipfel des Männlichen. Der Anstieg war hart und mühselig da er sehr steil war und zudem schien die Sonne kontinuierlich über meinem Haupt. Ich malte mir schon die Farbunterschiede unter meinen Klamotten beim Duschen aus und freute mich oben angekommen über eine Verpflegungsstation um mich erneut stärken zu können.

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Ab hier ging es dann weiter zur Bahnstation des kleinen Scheideggs. Ein Punkt den ich noch aus meinem Winterurlaub in Grindelwald kannte. Der Weg verlief jedoch im Sommer an saftig grünen, dem Auenland gleichenden Weiden und kleinen Bergseen vorbei. Die Gegend wurde wieder anders ohne aber an Schönheit einzubüßen. Auf dem Weg zum kl. Scheidegg überschritt ich dann auch die 70 KM-Marke.

Es lief großartig und ich hatte eine Menge Spaß!  🙂

Am kleinen Scheidegg bei KM 77 hatte ich dann erstmals einen kleinen Hänger dem ich aber schnell mit meinem eigens zusammengebrauten Energymix beseitigen konnte. Von da an wieder ein paar Kilometer schöne Downhill-Singletrails bis es dann noch einmal auf den 2300 m hohen Eigergletscher ging, der auch auf selbiger Höhe eine Bahnstation hatte.

 

Auch wenn meine Trainingsstrecken nicht so lange Downhills für mich hergaben und daher meine Knie zwickten, folgte von nun an für mich ein fantastischer 8 Km Singletrail-Downhill begleitet von einem Sonnenuntergang über Gletscherbächer und Schotterserpentinen bis runter nach Trychelegg, womit ich dann auch letztendlich die 90 KM voll hatte.

Im dunkeln und wieder mit Stirnlampe ging es dann die letzten 11 Km durch einen verwurzelten und daher technisch sehr schwer zu laufenden Wald rüber bis Marmorbruch. Von dort aus ging es dann nochmal 300 Hm bergauf zum Pfingstegg. Der auf der Profilkarte verhältnismäßig kleine Berg hatte es zum Schluss hin aber nochmal richtig in sich.

Zum Schluss standen dann noch 4 Km bis Grindelwald zurück auf der Uhr und 25 Minuten um die 19 Laufstunden voll zu bekommen. Aus diesem Grund entschied ich mich zum Schluss hin noch mal alles aus mir rauszuholen um die 18 vorne stehen zu haben. Schnellen Fußes hab ich mich Richtung Ziel gemacht und konnte tatsächlich in einer für mich traumhaften Zeit von 18h55 Minuten in der Herren Overall-Rangliste den 139 Platz von 600 Startern und 345 Finishern ergattern.

 

Ein fantastisches Trail-Wochenende ging mit einer Siegerehrung…….

und etwas Zeit für Regeneration zu Ende.

So brutal es auch klingen mag, der Eiger war der Vorbereitungslauf für den Alpen X 100. In 3 Wochen versuche ich dann erstmals bei einer Laufveranstaltung die 160 KM zu bewältigen. Über knapp 10.000 Hm geht es durch die Alpen von Seefeld in Österreich bis runter nach Brixen in Italien. Aber so ganz spurlos ist der Eiger nicht an mir vorbeigegangen und ein klein wenig Erholung muss sein 😉

2016-07-17 14.52.37

 

Bis bald…..

 

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