Die Schlacht am Lacus Benacus (Lago di Garda)

Alpini di Briano

Seit Anfang März plage ich mich schon mit einer Gewebeentzündung am Mittelfußknochen rum. Nicht das ich bereits den Trail du Petit Ballon nur als Zuschauer erleben durfte, sondern beim Trail Bassa Via Del Garda in Italien drohte mir selbiges. Mit gemischten Gefühlen und einem Alternativprogramm im Gepäck, ging es daher Freitag morgen den 08. April in den Flieger von Köln nach Bergamo und mit dem Mietwagen weiter zum Gardasee.

Der Plan war den Event im Kopf auszuschalten, ein MTB auszuleihen und die Höhepunkte am Gardasee mit der Pedale abzuklappern.

Doch dies war leichter gedacht als getan, überall fand ich diese Werbeplakate….


Um auf andere Gedanken zu kommen ging ich spazieren und tröstete mich mit der Feststellung das es bei dem Regen eh nicht so schlimm sein wird, daß ich morgen nicht starten kann.

Dennoch… das Startpaket war bezahlt und daher fuhr ich auch an die Westküste nach Bogliaco di Gargano um es mir abzuholen. An diesem Ort in der Provinz Brescia gab es die Startnummer, Kompression-Sleeves und einem Paket Gnocchi’s 🙂

Etwas traurig bin ich mit meiner Startnummer dann weiter nach Riva del Garda gefahren, wo ich in einer Ferienwohnung mit ein paar anderen Trailrunner untergekommen bin.

Die Hauptstadt des nördlichen Gardasees, welche jedes Jahr scharen an Mountainbiker, Surfer, Segler, Kletterer und auch Trailrunner anzieht hat knapp 17.000 Einwohner und lädt zu einem Abendspaziergang ein.

Das Wahrzeichen Riva’s “der Uhrturm Torre Apponale”, beeindruckt mit seiner Höhe von 34 m genauso wie der Brunnen und das Schiff am Piazza III Novembre.

Von da aus ging durch die engen Gassen Riva’s in ein charmantes Lokal zum Abendessen mit Pasta und Vino, wo dann auch die Entscheidung fiel. Starten kann man ja mal… 🙂

… der Gedanke beim Start dabei sein zu können und zu schauen wie weit mich die Füße tragen ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Und die Möglichkeit an jedem VP auszusteigen war ja auch gegeben. Also kämpfte ich mich um 4h00 morgens in Riva aus meinem Bett, packte mir mein Equipment und fuhr von Riva nach Gargano, parkte dort mein Auto und reiste von da weiter mit dem Shuttlebus nach Salõ wo der Start für die 75 Km und 4400 Hm lange Strecke war.

 

Die Strecke
Die Strecke

Ein fantastischer Start war es! Mit 300 weiteren Startern ging es beinahe Schulter an Schulter durch die engen Gassen von Salõ. Immer mit Obacht auf meinem Fuß lies ich mich weit nach hinten zurückfallen und war jetzt schon überglücklich mit meiner Entscheidung.

Nach weniger als 3 Km kam es schon zum ersten steilen Anstieg mit 500 Hm Richtung Monte San Bartolomeo, wo man schon den ersten beeindruckenden Ausblick auf den Gardasee erhaschen konnte. Es war sehr bedeckt, aber Trocken und daher auch ideale Bedingungen für diese Trail.

Feldwege und Singletrails mit vielen Seeblicken führten mich in einem sehr angenehmen Tempo bis nach San Michele. Hier konnte ich nach 9 Km für mich festhalten, daß meine Entzündung keine Beschwerden hervorrief. Ich beschloß das gemütliche Tempo beizubehalten und aus einem geplanten Wettkampf eine Sightseeingtour zu machen, die so lange gehen würde bis sich meine Verletzung wieder bemerkbar macht.

Ich fühlte mich klasse und lief locker weiter Richtung Gargano. Der Ort auf KM 25 wo mein Auto steht und wo auch die Läufer der 50 KM-Distanz mit ins Rennen einstiegen sollte ein Meilenstein werden, an dem ich mich entscheiden wollte ob ich hier aussteige oder weiterziehe.

Ich war aber bei Ankunft in Gargano von der Strecke viel zu begeistert um ans aufhören zu denken, die Verletzung hielt sich zurück, lediglich meine Beine wurden schon schwer und ich wusste nicht wie lange ich diese Strecke noch laufen kann, da ich die letzen 4 Wochen auch nicht trainieren konnte. Genau das machte sich ab hier so langsam bemerkbar.

Ein langer Anstieg zum Alpini di Briano, dem höchsten Punkt vom Rennen, stand bevor. Aber steigen ging gut.

Alpini di Briano
Alpini di Briano

 

Nachdem ich den höchsten Punkt bezwungen hatte kam ein langer, steiler und sehr technischer downhill in Richtung Muslone. Eigentlich meine Spezialität, doch leider schlug hier das fehlende Training zu buche und ich merkte das meine Muskulatur den harten Abstieg nicht in meinem gewohnten Tempo bestehen konnte. Die Knie fingen an zu streiken und ich musste den Weg runter sehr sehr langsam angehen. Ich rief mir wieder ins Bewusstsein, das ich froh sein konnte überhaupt so weit gekommen zu sein und das es hier eigentlich nur darum ging ein Stück mitlaufen zu können. Auch wenn es hart war den anderen zu zuschauen wie sie den Hang in schlangenlinien runterbretterten…. – so machte ich meinen Weg lieber langsam weiter.

Klettersteig
Klettersteig

 

Nach einigen Kletterpassagen und Kilometern weiter erreichte ich den VP in Aer, einem Ortsteil von Tignale. Hier, auf KM 38, hatte ich die Hälfte der Strecke absolviert und nach dem letzten Abstieg tat mir jeder einzelne Muskel und Knochen weh. Erste Krämpfe in Waden und Oberschenkel beschwerten sich somit über die letzten Kilometer. Lediglich mein Fuß schien keine Probleme zu machen. Immerhin!…dachte ich mir.  An dieser Station gab es Pasta. Ich erlaubte mir gleich 2 Portionen, machte meine Beine auf eine Empore lang und wartete auf Besserung.

20 Minuten später hatte sich die Muskelatur etwas beruhigt. Zumindest einen VP weiter zu kommen war mein Ziel. Ich schaltete wieder alles aus und zog weiter. Erstaunlich wie gut so was doch ging.

Über das Gipfelkreuz vom Monte Cas trippelte ich weiter in einem Tempo das mein Muskelkater bestimmte. Immer wieder kam ich dabei an Stellen wo man auf Schwindelfreiheit geprüft wurde.

Monte Cas
Monte Cas

 

An KM 51, im Bergdorf Prabione angekommen, taten mir abermals alle Knochen und Muskeln weh, so daß ich für eine kurze Zeit mich lang machen musste. Es dauerte wieder eine Weile bis sich alles etwas normalisiert hatte. Ich zehrte noch schnell vom Buffet und dachte nun erstmals das ich diesen Trail doch finishen kann. Also zog ich los um es rauszufinden.

Die Landschaft lies wieder alles vergessen. Meinem Tempo treu geblieben versuchte ich wieder diesen Trail weiter zu genießen. Meine Strategie – zügiges Steigen, lockeres trippeln in der Ebene und langsamer Downhill, ging weiter auf. Es zwickte zwar an allen Ecken aber ich fühlte mich super.

So ging es dann weiter bis zum nächsten Checkpoint an KM 63 und somit 12 Km vor dem Ziel in Limone Sul Garda. Hier spürte ich dann richtig das es an allen Enden an Training fehlte. Kaum mehr auf den Beinen konnte ich mich halten. Aber da der sehr entspannt festgelegte Cut-Off vom Veranstalter noch in weiter ferne war, suchte ich mir eine Ecke, lehnte mich zurück und wartete etwas ab. 12 Km müssen doch noch irgendwie zu schaffen sein. Zu Schade war es hier aussteigen zu müssen und übte mich in Geduld.

Letzter VP
Letzter VP

 

Als es anfing zu dämmern und ich schon fast befürchten musste das ich hier einschlafe wenn ich nicht aufbreche, machte ich mich auf den Weg nach Limone um zu versuchen das Ding doch noch mit nach Hause nehmen zu können.

es dämmert...
es dämmert…

 

Mit der Stirnlampe auf dem Kopf lief ich dann weiter geradewegs zum Monte Bestone. Ein Gipfel mit einer gigantischen Nachtaussicht auf Limone. Hier gab es außer dem Gipfelkreuz auch noch einen Altar und eine Glocke, die jeder Läufer leutete bevor der vorletzte Abstieg begann.

Um mich herum merkte ich, daß einfach jeder ziemlich fertig war und daher blieb auch nicht aus das bei den letzten Abstiegen alle Nase lang sich wieder einer abgelegt hat. Wie so oft bei mir, kam trotz aller Umstände und einem brutalen Muskelkater, auf den letzten 5 Kilometern eine Euphoriewelle hoch. Ich schwebte also nach knapp 15 Stunden, auf einer aussichtsreichen Sightseeingtour vom Süden bis zum Norden des Gardasees, ins ersehnte Ziel.

BVG Trail - Check!!
BVG Trail – Check!!

 

Doch geschafft!!! Es war wirklich unglaublich was man trotz dem fehlenden Training und der noch nicht ganz ausgeheilten Verletzung so alles schaffen kann. Ich wollte den Start mit erleben und hab tatsächlich auch noch das Ziel gesehen. Mir ging es fantastisch. Statt der Medaille gab es hier Olivenöl für jeden Finisher aber viel mehr hab ich mich dann über das Finisherbier gefreut.

Ab heute ist dann wieder Regeneration angesagt. 2-3 Wochen Laufpause um alles ausheilen zu lassen und dann geht die Vorbereitung auf den Zugspitz Ultra los.

Just Relax!…..

 

 

5 Kommentare

  1. Herzlichen Glückwunsch zum unverhofften Finish!

    Ich wünsche Dir eine gute Regeneration und ein vollständiges Ausheilen Deiner Verletzung. See you in Grainau 🙂

    Viele Grüße Simone

  2. Glückwunsch zum Finish Eric und zum coolen Bericht. Respekt für deine Leistung, wenn ich Krämpfe habe (sehr, sehr selten) dann ist Ende im Gelände, ich könnte mir nicht vorstellen damit noch etliche Kilometer weiter zu laufen. Sowieso könnte ich mir nicht vorstellen 15 Stunden zu laufen :-). VG Patrick

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